



Kulturlandschaft ist die von Menschen gestaltete Natur und spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung wider. Anlässlich der "Informationsveranstaltung Landschaftsplanung" am 2. März 2010 an der Obersten Baubehörde beschreibt Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Haber die Entwicklung der Kulturlandschaft und die Herausforderung an deren Weiterentwicklung mit folgenden Worten:
"Landschaft" ist ursprünglich nur ein Bild in unseren Köpfen. Es ergibt sich aus der Betrachtung eines größeren Stücks "Land", dessen Gestalt und Komposition als ansehnlich, gefällig oder einfach "schön" wahrgenommen wird (griech. aisthanomai, wovon „Ästhetik“ abgeleitet ist!). […] Aus der bäuerlichen Bewirtschaftung entwickelte sich, und zwar ohne übergeordnete Planung, mit der Zeit ein Muster mit charakteristischer Anordnung (Eigenart) und meist auch großer Vielfältigkeit der Nutzungsweisen, -flächen und -intensitäten. […]
Bauten und Technik waren von Anfang an feste und akzeptierte Bestandteile der ländlichen Landschaft, und viele Landschaftsbilder vom 15. bis 19. Jahrhundert zeigen ganz selbstverständlich auch Bauernhöfe, ländliche Wege mit Fahrzeugen, pflügende oder mähende (also technisch tätige) Bauern. Mit der naturhaften Wirkung und Wahrnehmung der ländlichen Landschaft schien dies vereinbar zu sein. […]
Das änderte sich seit Ende des 18. Jahrhunderts aus mehreren ineinander verflochtenen Gründen. […] Diese Entwicklungen führten zu tiefgreifenden, sich in Zahl, Zeitmaßstab und Raumanspruch steigernden, daher dramatischen Veränderungen in der ländlichen Landschaft. […]
Der empfindsame Teil der Öffentlichkeit will bestimmte Landnutzungsänderungen nicht mehr hinnehmen, und zwar abgestuft von Wald zu Agrarland, von Grünland zu Ackerland, von Offenland zu Bauland.
Als fester, unverzichtbarer Bestandteil menschlicher und gesellschaftlicher Aktivität können Bauen und Bautätigkeit nicht einfach unterbunden werden, und sie werden auch weiterhin Land und damit Landschaft beanspruchen. […]
Schutz und Nutzung sind zwei Seiten der gleichen Münze mit dem Namen Kompromiss – oder Nachhaltigkeit. Nichts anderes bedeutet "verträgliches Miteinander von Natur und Bauen"!"

Die Straße in der Kulturlandschaft