"Sicher und Fair im Straßenverkehr"
Schwerpunkte der Kampagne
Straßenbau, Verkehrsüberwachung, Mobilitätsaus- und -fortbildung, Verkehrsregeln und Öffentlichkeitsarbeit
Analyse des Verkehrsgeschehens
Im Jahr 2006 wurden in Bayern mehr als 330.000 Verkehrsunfälle registriert, bei denen etwa 73.000 Menschen verletzt und etwa 910 getötet wurden. Das bedeutet im Einzelfall großes, machmal unvorstellbares persönliches Leid.
In den letzten 10 Jahren stieg die Einwohnerzahl Bayerns um ca. 4 %, die Zahl der Kfz-Zulassungen aber um ca. 20 % an. Ende 2005 kamen auf 1000 Einwohner 587 PKW. Der Motorisierungsgrad ist also im Vergleich von vor zehn Jahren um weitere 12 % angestiegen. Auch die Fahrleistungen erhöhten sich in diesem Zeitraum um nahezu 13 %. Wenn man das Jahr 1980 zum Vergleich heranzieht, hat sich die Fahrleistung sogar trotz steigender Treibstoff- und Unterhaltskosten um nicht weniger als 100 % gesteigert.
Örtliche Verteilung der tödlichen Verkehrsunfälle:
- 54 % der Verkehrsunfälle mit Getöteten oder Schwerverletzten ereignen sich außerorts
- 77 % aller im Straßenverkehr Getöteten und 66 % aller Schwerverletzten sind außerorts zu beklagen
- 53 % der Verkehrsunfälle mit schwerem Personenschaden auf bayerischen Landstraßen ereignen sich an lokalen Unfallhäufungsstellen (insgesamt nur 7 % der bayerischen Staats- und Bundesstraßen)
Zeitliche Verteilung der tödlichen Verkehrsunfälle
- nahezu gleichmäßige Verteilung auf alle Wochentage
- 45 % der Verkehrstoten kamen in der Zeit zwischen 13.00 Uhr und 21.00 Uhr ums Leben (signifikant in dieser Zeit zusätzlich 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr)
Ursachenschwerpunkte der tödlichen Verkehrsunfälle
- Hauptunfallursache Geschwindigkeit bei ca. 35 % der tödlichen Unfallopfer
- Hauptunfallursache Alkohol bei ca. 13 % der tödlichen Unfallopfer
- Sicherheitsgurt ist Lebensretter Nr. 1
Kinder, junge Fahranfänger und Senioren bei Verkehrsunfällen mit schwerem Personenschaden
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Kinder
: 3473 Kinder zum Teil schwer verletzt, 15 Kinder bei Verkehrsunfällen getötet
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Junge Fahranfänger
: 203 Personen getötet unter Beteiligung von jungen Fahranfängern, weitere 18.500 Personen bei solchen Unfällen teils schwer verletzt
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Ältere Verkehrsteilnehmer
: 191 Personen bei Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Senioren getötet. Dies stellt einen Anteil von fast 30 % an den gesamten Verkehrsunfalltoten.
Straßenbau
Die "gebaute Verkehrssicherheit" leistet einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer.
Nach wie vor ereignen sich in Bayern über die Hälfte der Unfälle mit schwerem Personenschaden auf Landstraßen, also auf Straßen außerhalb von Ortschaften. Probleme bereiten hier vor allem enge Kurven und Seitenräume mit hohem Verletzungsrisiko beim Abkommen von der Fahrbahn.
Daher das Programm "Sichere Landstraße":
Die Unfallkommissionen, also örtliche Gruppen von Experten der Straßenverkehrsbehörden, der Straßenbaubehörden sowie der Polizei, werden in den kommenden Jahren verstärkt daran arbeiten, Unfallschwerpunkte auf den Landstraßen zu beseitigen.
Die Unfallkommissionen sind für die überörtlichen Straßen zuständig. Sie werden künftig mit ihrem großen Fachwissen als "Kompetenz-Team Sichere Straße" auf Wunsch auch den kommunalen Baulastträgern beratend zur Seite stehen.
Verkehrsüberwachung
Das Bayerische Staatsministerium des Innern hat die Polizeipräsidien beauftragt, die Verkehrsüberwachung zielgerichtet zu betreiben. Hierzu gibt es ein strategisches und taktisches Gesamtkonzept, welches besonders auf die Hauptunfallursachen und Zielgruppen eingeht. Weiterhin fließen Erkenntnisse aus Unfallanalysen in die Überwachung mit ein.
Fahrausbildung
Junge Fahranfänger sind nach wie vor überproportional am Unfallgeschehen beteiligt. Sie weisen 13 Prozent der Verkehrstoten bei einem Anteil von nur 8 Prozent an der Gesamtbevölkerung auf.
In Bayern läuft daher das Programm "Begleitetes Fahren mit 17" derzeit als Probeversuch. Der Grundgedanke des Modellprojekts ist, dass die jungen Leute Fahrpraxis unter Begleitung von erfahrenen Ansprechpartnern gewinnen. Die jungen Fahranfänger können sich so ein Jahr mehr Fahrpraxis unter Begleitung eines erfahrenen Fahrzeugführers aneignen, bevor sie alleine fahren.
Im Jahr 2006 haben bereits mehr als 48.000 Jugendliche in Bayern am Modellversuch "Begleitetes Fahren mit 17" teilgenommen und ihre Fahrerlaubnis mit Begleitauflage bekommen. Das bedeutet, dass bereits etwa jeder Dritte der Fahranfänger das neue Modell annimmt. Die hohe Zahl von Interessenten zeigt, dass der unbürokratische bayerische Modellversuch von den jungen Verkehrsteilnehmern sehr gut angenommen wird und so ein wichtiger Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit geleistet werden kann. Unser Ziel ist es daher, noch mehr Fahranfänger für das "Begleitete Fahren mit 17" zu gewinnen.
Weiterhin empfehlen wir die zweite Stufe der Fahrausbildung, die in den Fahrschulen angeboten wird. Durch moderierte Gruppensitzungen in der Fahrschule, einer Übungs- und Beobachtungsfahrt sowie praktischen Sicherheitsübungen soll das Problembewusstsein junger Fahranfänger im Straßenverkehr erhöht werden. Teilnehmen kann jeder, der seit mindestens einem halben Jahr den Führerschein der Klasse B besitzt und sich noch in der Probezeit befindet. Als Anreiz für die Teilnahme wird die Probezeit um ein Jahr verkürzt.
Bereits erfolgreich eingeführt ist das Konzept Ernstnehmende Verkehrssicherheits-Arbeit (EVA), das jugendliche Kraftfahrer im Rahmen eines kommunikativen Ansatzes zu risikokompetentem Verhalten anleitet.
Verkehrsregeln
Der Gesetzgeber muss auf unfallgefährdendes Verhalten und auf Unfallschwerpunkte reagieren. Deshalb wird Bayern auch künftig erforderliche Maßnahmen einleiten, um Fehlentwicklungen zu korrrigieren.
Öffentlichkeitsarbeit
Verkehrssicherheitsarbeit ist nur erfolgreich, wenn sie von den Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert und ernst genommen wird. Immerhin soll der eigene Standpunkt überdacht und das eigene Verhalten umgestellt werden. Ziel ist ein sicheres und faires Miteinander im Straßenverkehr.
Mit der Kampagne "Sicher und Fair im Straßenverkehr" werden regionale Maßnahmen von gezielter Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Die Maßnahmen werden offensiv erklärt und dargestellt.